Der rote Knopf

Johannes Goldblum aß in seiner Mittagspause einen ziemlich unaufgeregten Nudelsalat. Seine Frau hatte ihm das zwar verboten, aber das war ihm egal. Außerdem war sie tot.
Was machte Herr Goldbum? Herr Goldblum Passte auf einen roten Knaopf auf. Er saß jetzt schon seit fast dreißig Jahren davor und passte auf. Worauf wusste er gar nicht so genau, aber er hinterfragte seine Arbeit auch nicht. Zwei Mal am Tag kam ein Offizier mit vielen bunten Orden an Brust und Schädel dekoriert in seinen kleinen Raum und sagte „Herr Goldblum. Alles in Ordnung?“. Dann sagte Herr Goldblum „Ja, alles in Ordnung hier soweit.“. „Sehr gut Herr Goldblum“ sagte dann der Offizier, fügte dann an „Sehr gut Goldblum, machen Sie wieter so. Sie leisten unserme Land einen großen Dienst“. Mehr passierte nicht. Irgendwann hatte ihn mal jemand gefragt, ob er sich auf eine wichtige Stelle bewerben wolle. Es würde gutes Geld gezahlt und man müsse nichts machen, hatte man ihm gesag, außer auf den roten Knopf aufyupassen.
Es hatte keine weiteren Bewerber gegeben. Man hatte ihm Fragen gestellt, und Goldblum hatte geantwortet. Irgendwas. „Wie groß sind sie?“. „Haben sie Geschwister?“. „In wen waren sie mal verliebt?“. „Was ist ihr Lieblingsfilm?“. „Warum“? “K;nnen Sie kochen?“ Goldblum hatte geatwortet, so gut er konnte, immer hatte er etwas gesagt, denn das war es, was seine Mutter ihm auf dem Totenbett noch gesagt hatte:
„Mein Sohn, wenn dich jemand fragt, dann antworte irgendetwas“. Dann war sie gestorben.
Goldblum floss eine Träne aus dem rechten Auge. Er dachte gern an seine Mutter. Bei der Beerdigung war niemand gewesen. Die Ärzte hatten gesagt „Wir können nichts mehr tun, wahrscheinlich“. Dann waren sie gegangen. Und dann war sie gestorben. Jetzt lag sie unter der Erde, ein paar Blumen waren fahrlässig auf das Grab geworfen worden. Goldblum hatte sie erst in eine Vase gesteckt, dann hatte er die Vase mit den Blumen angeguckt und in einen Mülleimer geschmissen, denn es waren keine Blumen von Herzen gewesen, sie waren scheiße und daher sollte sie nun der Mülleimer fressen, die scheiß Blumen. Der Friedhofsgärtner vernachlässigte seine Arbeit nach allen Regeln der Kunst. Er war ein Arschoch und kam seienr Arbeit nicht nach, wie es Arschlöcher häufig so tun.

Seine Mutter und seine Frau lagen unter der Erde und Goldblum saß auf einem Stuhl vor einem roten Knopf. Dieser blinkte, alle zwei Sekunden blinke er kurz rot auf. Seit Jahren. Goldbluhm dreht sich auf seinem Stuhl leicht nach recht sund sah den rotne Knopf von der Seite an. Er war auf einem großen Pult angebracht. Zehn mal hundert Meter. Oben recht stand die Uhrzeit oben links die Temperatur und in der Mitte der blinkende Knopf.

Goldblum hatte den Nudelsalat gerade aufgegessen und fragte sich warum sich überhaupt jemand die Mühe gemacht hatte ein hundertstel Tomaten Stück zwischen die seibrigen Nudeln zu schieben. Wahrscheinlich, damit es den Anschein machte, der im schlechten Olivenöl schwimmende Nudelhaufen wäre gesund. Versetzt mit Vitaminen. Vielleicht bekam man ja einen längeren Penis davon. Er sah kurz nach. Nein. Alles beim Alten. Kurz, verschrumpelt, aber voller Liebe. Ein Stengel, der sich gewaschen hatte. Nur eingesetzt werden, das ging schon lange nicht mehr.

Goldblum rief in der Kantine an und fragte, warum der Nudelsalat, den ihm der Offizier vor drei Stunden vorbeigebracht hatte, so scheiße aussah. Eine unerotische Frauenstimme sagte der Nudelsalat sei äußerst gesund und überhaupt gar nicht scheiße. Da solle er lieber noch mal genau hingucken. Ein Bauer aus der Umgebng habe ihn selbst gemacht, auf dem Feld. Mit einer Hand, die andere habe er im Krieg verloren, überhaupt bestelle man nur bei behinderten Bauern. Der Nudelsalat sei also von diesem einarmigen Bauern mit Downsyndrom zwischen gesunden Kühen und einem Schwien aus Ägypten hergestellt worden. Und auch dieses Schwein sei sehr glücklich und hätte bei der Überfahrt aus Ägypten nur einmal gekotzt. Aber das sei auch nicht viel gewesen und jetzt sei das Schwein glücklich und habe sich auch schon seit Monaten nicht mehr übergeben müssen. Goldblum glaubte der Frau am Telefon. Sie klang vertrauenswürdig. Jemand der in der Kantine arbeitet konnte nicht lügen.

Goldblum schaute oben in die Ecke des fensterlosen Raumes. Grauer Beton versprühte ein Gefühl von Jugend und Frohsinn. Seine Sinne tanzten, als zwei Staubflocken im Walzerschritt von der Decke herabrieselten und in einem innigen Tanz des Verfalls vereinigt eine Spinne aus dem Gleichgewicht zu bringne drohten, die mit ihren sieben Ärmchen rundernd verzweifelt nach dem Staubduett schnappte. Ihr Netz vibrierte und unerreicht des Staubes zog sie sich beleidig in ihr Netz zurück und kaute auf dem vier wochen alten Bein einer Eintagsfliege herum. Es war ein Naturschauspiel, wie es im Krüger Nationalpark nicht dramatischer beobachtet hätte werden können. Nur kostete das da Geld.

Goldbluhm drehte sich – erschöpft von der Dramatik und der Gewalt und Rohheit der Natur – zurück in seine Ausgangsposition und beobachtete zwei weitere Stunden wortlos den blinkenden roten Knopf. An, aus, an, aus, an aus. Zwischendurch fasste er mit dem Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand die Kniescheibe seines linken Beins und schob sie leicht hin und her, weil er nicht wusste was er sonst tun sollte. Er tat das eine ganze Weil und merkte erst als ein stechender Schmerz einsetzte, dass er sich die Kniescheibe bis fast in die Höhe seines Bauchnabels geschoben hatte. Schnell schob er sie zurück und dreht sich ängstlich zur Tür um. Wenn das der Offizier sah, würde er sicherlich gefeuert, denn, dass jemand den roten Knopf bewachen durfte, der eine Kniescheibe im Bauchnabel stekcen hatte, das hatte er nun wirklich noch nicht gehört.

„Feierabend Goldblum“. Die schnarrende Stimme aus dem Reichslautsprecher an der Decke kam immer wieder überraschend. Goldblum nahm den Hörer vom Telefonapprillo hinter sich ab, der ihn mit irgendwem verband, der mehr zu sagen hatte als er. Mehr wusste Goldblum nicht, mehr wollte er nicht wissen, mehr würde er niemals erfahren Als jemand am anderen Ende abnahm, sagte Goldblum „Ich mache noch was länger. Überstunden. Kein Problem.“. „Ach Goldblum, sie sollen doch nicht“, erwiederte eine hohe Männerstimme. „Nein, nein, ich tus ja gern. Kein Problem. Ich bleibe noch. Es ist mir wichtig“. „Ach Goldblum, na gut, aber machen Sie nicht zu lange“. Klick, tut, Telefon aus.
So ging das schon seit Jahren. Immer versuchte jamend ihn davon zu überzeugen Feierabend zu machen, aber was wäre, wenn dann jemand anders käme und auf den Knopf aufpassen würde. Wenn er nur einmal sgaen würde „Ja ist gut, ich gehe nach Hause“: Wer weiß, ob das nicht als Zeichen der Schwäche gesehen würde. Dann wäre er sienen Job los, mit einem mal, weil wer anders besser auf den roten Knopf aufgepasst hatte. Goldblum bekam einen feuerroten Schädel, als er daran dachte. „Ha“ sagte er kurz. „SO einfach geht’s nun nicht!“. „Ich bleibe, da kann der Chef oder wer auch immer sich schwarz ärgern, ich mache Überstunden“. Aber Goldblum machte eben nicht nur Überstunden, er machte Übermonate und Überjahre. Immer wieder brachte man ihm Wechselklamotten, eine saubere Unterhose, einen Strumpf oder auch mal einen Schal im Winter, dann Pommes und Suppe, im Frühling reichte der Offizier ihm manchmal ein Gänseblüchen, im Winter kam er rein undwarf ihm einen Schneeball an den Kopf, im Herbst fand Goldblum manchmal ein goldgelbes Blatt im Raum, das reichte ihm. Was wollte er mehr, manchmal roch es sogar nach Luft, manchmal nach Kot, dann kam wieder wer und brachte neue Unterhosen. Alles paletti. Die Natur lebte.

„Ich bleibe hier“, seufzte Goldblum zufrieden und sah auf den Knopf, auf seinen Knopf. Den würde ihm niemand nehmen. Kürzlich hatte es wohl Streit gegeben mit Nordkorea, das hatte Goldblum gehört, als der Offizier wieder fragte „Und alles in Ordnung mit dem roten blinkenden Knopf Goldblum?“. Da hatte die Tür offen gestanden und im Hintergrund huschten aufgeregt Leute vorbei. Da hatte wer was von dem verrückten Diktator erzählt und dass alles ganz schlimm würde. Der Offizier hatte nur gelächelt und als er Goldblums zögerndes Zucken am Sack bemerkte gefragt „Alles in Ordnung, lieber Herr Goldblum?“. „Alles in Ordnung soweit“, hatte Goldblum zwar gesagt, doch sein Sack zuckte noch weitere fünf Minuten.

Goldblum erwachte, er war kurz eingenickt, das war ihm ja schon sein Wochen nicht mehr passiert. Zum Glück hatte er den Wachomat angestellt. Das war ein Kasten vor ihm, aus dem eine Stahlhand hervorfuhr und ihm in die Fresse boxte, zehn mal, dann noch zehn mal. Das tat ultrabrutal weh, aber so konnte er besser auf den roten Knof achten. Er war gerade wieder dabei die Spinne zu suchen, als die Tür sich öffnete, schneller als sonst, Goldbluhm drehte sich um. Vor ihm stand der Offizier, der ihn seit Jahren besuchte, doch neben ihm stand noch ein Offizier, der hatte nicht nur 204 Orden, wie der der andere sondern 205, das hatte Golblum beim Herinkommen direkt gesehen. E swar also wichtig. Die zwei sahen ihm ernst ins Gesicht hinein und fast hindurch. Dann sagte der Offizier, den er kannte. „Drücken Sie den Knopf Goldblum. Drücken Sie den Knopf“.

Goldblum schoss das Blut in den Schädel. Was hatte der irre Soldat da gesagt? Den Knopf drücken? Aber seine Aufabe war es doch, den Knopf zu beobachten. „Aber Sir? Ich…der Knopf…was wird denn dann aus mir?“, stammelte er in einem Anflug von Panik und Durchfall. „Drücken Sie den Knof Goldblum!“, schrie nun der Offizier, der andere schrie direkt hinterher „Los, sonst ist es zu spät“. Goldblum merkte, dass die beiden zu schwitzen begannen, doch er wusste auch, dass nur er den Knopf drücken konnte. Was war, wenn er ihn drückte, dann war er arbeitslos, wie die ganzen Leute in Sachsen, dann musste er Busse voller Flüchtlinge anschreien und mit seinen Kumpels die Songs der WaffenSS singen, aber die kannte er ja gar nicht und außerdem konnte er auch nicht singen. Also nein, diesen Knopf konnte er nicht drücken. Die zwei Offiziere schwitzen und schauten einander ratlos an. „Goldblum, ich befehel ihnen den roten blikendne Knopf zu drücken, los!“, schrie nun der altbekannte Offizier. „Was wird dann aus mir?“ weinte Blumberg nun fast, er konnte dem Druck kaum Stand halten. Einer der Offiziere griff nach seinem Pistolenhalfter. Draußen hörte Blumberg Sirenen heulen. „Los“, schrie der Offizier und zog seine Waffe, richtetete sie auf Goldblum. „Los!“ wiederholte er. Die Alternativen waren scheiße, Goldblum legte langsam die Hand auf den roten Knopf, seinen Knopf. Sein Leben. Was würde passieren? Sie teilten sich so viel, der Knopf und er. Die Offizeire nickten ihm zu, „Ja Goldblum, gut, machen Sie schon“. Im Hintergrund hörtGoldblum lautes Grollen, waren das Granateneinschläge? „Blitte Goldblum, tun sie es! Es geht um unsere Zukunft!“, flehte nun der neue Offizeir, Goldblum sah den beiden von einem ins andere Auge immer abwechselnd, dann fiel das Licht aus. Die Sirenen wurden lauter, heulten um die Wette, irgendwo fluchte jemand „Scheieß, mein Fahrrad steht noch da draußen. Sagen sie dme Praktikanten, er soll es reinholen“. Dann knallte e szwei mal laut und der Druck seiner Hand wurde stärker. „Bitte Goldblum“, höre er noch die erstickende Stimme des einen, dann entschied er sich.

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